Törnbericht Einzelbucher als Beispiel

Auch für eine Einzelbuchertour möchten wir einen beispielhaften Bericht geben. Für alle, die sich fragen "wie ist das denn wohl so?"
Wir greifen den Pfingsttörn 2011 heraus - eine superschöne Woche!
Und das Wort überlassen wir dieses Mal einem Gast. Danke, Thorsten, dass Du diesen Bericht geschrieben hast!

So, oder so ähnlich kann es also sein:

Da liegt sie, die Albertha...

Donnerstag

In diesem Jahr soll es also der schon traditionelle Pfingsttörn sein. Die kleine Schwester will auch mit, und so starten wir am 09.06.11 Richtung Laboe.
Wir sind viel zu früh da, werden aber dennoch von Rolf, (manchmal Bootsmann) der ungewöhnlicherweise noch nicht mal Zeit für eine Zigarette hat, an Bord begrüßt.
Neben dem ganzen Gepäck (unter anderem auch ein Bügeleisen, ohne das Moni nie verreist) stehen auch Eimer mit frischen Erdbeeren und Erdbeerbowle. Gedanklich erhält die Crew hier schon mal einen Stern, wobei sich alsbald herausstellt, dass diese Erdbeeren von Sabine (Gast wie wir) stammen (Punkte für die Crew wieder abgezogen).
Der offizielle Teil der Reise beginnt wie üblich mit einem Abendessen und der Vorstellungsrunde. Aus vielen Teilen Deutschlands sind die Mitsegler angereist: Gummersbach, Magdeburg, Bienenbüttel usw. Unsere insgeheimen Befürchtungen, dass die Stimmung des Vorjahrestörn nicht mehr zu toppen sei, macht sich schon ab hier auf leisen Sohlen davon.
Nun muss noch der Geburtstagskuchen für Bettina aus dem Auto geholt werden und dann kann es in die Koje gehen. Auf dem Parkplatz steht ein beleuchteter BMW mit Magdeburger Kennzeichen. Haben wir nicht Leute von dort an Bord? Na, wir sagen es denen mal......... Irgendwie scheinen Moni und Bernd nach der Rückkehr vom Auto erleichtert zu sein.

Schon mal viel Zeit um in die Entspannung zu kommen
Im Abendrot Einlaufen in Bagenkop (Langeland)

Freitag

Nach frischen Brötchen und nachdem der Skipper endlich an Bord ist, kann es mit einem lauen Lüftchen losgehen nach Bagenkop. 30 Seemeilen und 12 Stunden liegen vor uns. Wir haben viel Zeit uns und das Schiff (wieder) kennen zu lernen.
Arne wird es mit seinem Ohrwurm „ So schön, schön war die Zeit“ (http://www.youtube.com/watch?v=vfJ8JmTLxCM&feature=related) auch nicht langweilig. Danke Michael.
In super Abendsonne machen wir in Bagenkop fest und „de leeve jong“ Peter bestreitet mit Freiwilligen das leckere Abendessen. Die ersten Duschkarten werden gekauft (nach einem Tag!!), und der Abend klingt bei Plausch und Bier sehr entspannt aus. Schon heute hatten wir so viel Spaß und haben uns so gut verstanden, dass der Törn gar nicht schief gehen kann.

 

Den engen Sund bei Marstal hinter uns, die Brücke bei Rudköbing vor uns
Der Svendborg-Sund. Einmalig schön!

Samstag

Der nächste Tag beschert uns wieder frische Brötchen vom tollen Frühstücksteam und eine schöne Fahrt nach Svendborg. Die schwierige Passage um Marstall herum bewältigt Wolfgang am Steuer ganz ruhig und souverän. Für diesen Aufstieg in die Führungsebene der ALBERTHA muss er sich natürlich einige Sprüche anhören. Aber das steckt er mit seiner supersympatischen Art locker weg.
Die Toppzeichen der Fahrwassertonnen werden von Moni eindeutig als Teile eine Waschstrasse identifiziert, während sich Bettina die Werfthalle durchaus als „drive-in“ für Wasserfahrzeuge vorstellen kann.
Nachdem Arne sich unverständlicherweise weigert, den roten Trawler als Liegplatz zu akzeptieren, geht es ein wenig in die Stadt.
Später, nach dem Abendessen wird auch noch Segeltheorie seitens der Crew angeboten, und anschließend lassen wir den Tag an Deck ausklingen. Schade, dass ich mir nicht alle Sprüche, Witze, komischen Begebenheiten merken kann. Es ist nur unglaublich lustig und wir sind fast alle SO (Zeigefinger der rechten und linken Hand eng nebeneinander) miteinander.

 

Ein Tag mit allem drin: Entspanntem Sitzen an Deck...
...fettem Segeln mit 9 Knoten...
...und einer wunderbare Ankerbucht

Sonntag

Pfingstsonntag soll die Reise Richtung Als weitergehen um dort in der Bucht von Dyvig zu ankern. Jörg übernimmt das Steuer und mit viel Wind ,rauschender Fahrt und ein paar Wenden geht es durch die dänische Südsee. Bald jedoch wird der Wind weniger und der Skipper veranstaltet eine „ Mann über Bord „ - Übung. Albert (Beiboot)und Moritz (Bootsmann) machen sich auf, den Fender zu retten. Leider versagt auf dem Rückweg der Außenbordmotor, so dass der Bootsmann den weiten Weg pullen muss. Der meistens gut aufgelegte Moritz lässt sich auch hierdurch die Stimmung nicht vermiesen.
Nordöstlich von Lyö schläft der Wind vollends ein, und der Skipper beschließt, in der dortigen (sehr, sehr schönen!) Bucht vor Anker zu gehen. Die ALBERTHA ist nicht allein dort: Viele Segler aus dem nahen Glücksburg und Flensburg liegen bereits vor Anker oder treffen ein und genießen ihren Pfingstausflug.
Da einige von uns nachher noch an Land wollen, werden Jörg und ich in die Bedienung von Albert eingewiesen (Motor läuft wieder). Ulla, Bettina, Wolfgang und ich machen Abendessen und weil Michael so gerne abwäscht, gibt’s sogar drei Gänge!
Anschließend fahren Bettina, Moni, Ulla und ich an Land, spazieren eine kurze Runde durch die schöne Landschaft und kehren wohlbehalten an Bord zurück. Wir werden empfangen als hätte niemand so richtig mit unserer Heimkehr gerechnet - komisch.
Mittlerweile ist bei einigen Yachties die Partylaune ausgebrochen und mit der Stille ist es vorbei. Arne legt den Enterzeitpunkt auf 22:30 Uhr fest, Daniel legt schon mal ein paar Belegnägel zurecht, aber kurz vor halb elf ist Ruhe. Irgendwie auch schade.
Noch ein Wort zu Daniel: Immer wo es auf viel Kraft ankommt – und nicht nur da - ( Schwert kurbeln, Groß setzen usw.) ist er mit Freude dabei. Er hat meistens gute Laune, großen Appetit und immer einen Spruch drauf. Es macht einfach Spaß mit diesem Typen unterwegs zu sein!
Die notwendigen Ankerwachen sind schnell eingeteilt, und die 4:30 Uhr-Wache mit Bettina, Wolfgang und Andreas zählt zu den schönsten Momenten der Reise. Kaffee, Kekse, Sonnenaufgang und interessante Gespräche lassen den Tag gut beginnen.

Vor dem Schloss im malerischen Hafen von Sonderborg

Montag

Kaum ist am Morgen die Badeleiter eingeholt möchte Bernd noch ins Wasser. Also Leiter wieder raus (sind wir nicht alle Badeleiter?), und dann Anker auf und unter Segeln los – ein Erlebnis!
Kurs Sonderburg, das wir mit zwei langen Schlägen am Nachmittag auch erreichen. Direkt unterhalb des Schlosses machen wir in dem malerischen Hafen fest.
Die Mannschaft geht spazieren oder duschen, trinkt Bier, macht Abendessen oder rasiert sich Bart und Kopf (der Bootsmann).
Bei leichtem Regen kommt am Abend noch die AMAZONE aus Hamburg mit Bordhund Wilma längsseits.
Lang wird der Abend nicht, denn die Stunden der Ankerwache stecken wohl noch in den Knochen.

Jeden Morgen: Erstmal die Segel auspacken
Damp: Ein paar fiese Hochhäuser, aber toller Strand und gemütlicher Hafen

Dienstag

Um 9:30 Uhr, nach Frühstück mit frischen Brötchen ( warum haben wir eigentlich sooo viel Aufbackbrötchen?), legt die AMAZONE ab, damit wir unser nächstes Ziel, Damp, ansteuern können.
Wir setzen sogar das Wassersegel und düsen mit 8 Knoten über die Ostsee. Das hat zur Folge, dass wir schon um 13:00 Uhr dort sind. Damp selbst ist nicht so das Highlight (genau wie mein Fenderknoten), aber der Crépes-Stand, die Currywurst-Bude, das Café mit lecker Erdbeertorte und die Cocktailbar entschädigen uns reichlich.
Am Abend zaubert der Johann Lafer der ALBERTHA (Wolfgang) ein 3-Gänge-Menü aus den Resten der an Bord befindlichen Lebensmittel. Super lecker!!
Und Moni sitzt, um eine gewisse Ruhe beim Essen hinzubekommen, auf der Bank neben Michael, wo sie nicht dauernd aufspringen kann (das quirlige Eichhörnchen aus dem Film „Ab durch die Hecke“ ist nichts dagegen).
Die Cocktailbar übt einen magischen Reiz aus, so dass nach dem Aufklaren und Deckwaschen nur noch eine Handvoll Mitsegler an Bord bleiben. Nach ausgiebigem Spaziergang mit der ruhesuchenden Moni verholt sich dieser Rest, bestehend aus Peter, Michael, Moni, Annegret, Bernd und mir in die Messe, um noch ein paar nette Stunden zu verbringen.

Das Tolle daran: Man lernt Menschen ganz anders kennen an Bord!
Und das war die Route: Von Laboe über Bagenkop, Svendborg, Insel Lyö, Sonderborg, Damp und zurück nach Laboe

Mittwoch

Der nächste und letzte Morgen beginnt mit einer Hiobsbotschaft: Der Geschirrspüler auf der im Hafen liegenden FLYING DUTCHMAN ist ausgefallen! Großes Bedauern seitens der Besatzung der ALBERTHA ist nicht zu spüren. Das kann uns nicht passieren, denn Michael und alle anderen Abwäscher erfreuen sich bester Gesundheit! Welch ein Vorteil!
Die Möwen, die im Dalben brüten und immer Angriffe auf uns geflogen haben (Hitchcock lässt grüßen), sind froh, dass wir endlich ablegen und uns auf den Weg nach Laboe machen. Viele sind schon ein wenig traurig, dass es vorbei ist, aber noch liegen 15 Seemeilen vor uns. Und Peter hat seinen Tabaksbeutel auf dem Vorschiff wieder gefunden.
Unter Motor laufen wir dann in den Laboer Hafen ein. Die Makramee/ Klöppelgruppe leistet an der Fock-Persenning ganze Arbeit, die Fender sind mit richtigen Knoten befestigt und das Schiff ist schnell aufgeklart.
Bei den Abschiedsworten des Skippers wird dem einen oder anderen schon wehmütig ums Herz - ein, zwei Tage hätten es schon noch sein dürfen!
Dann geht alles ganz schnell: ein fester Händedruck, eine Umarmung, Küsschen links und rechts, „Hast Du auch meine Telefonnummer?“,“Nächstes Jahr Pfingsten?“, „Kommt doch mal vorbei“, „War eine schöne Zeit mit Dir“ … und so weiter …
Alle besteigen ihre Autos und machen sich auf den Weg. Erstmals seit 5 Tagen ohne sich um die vorherrschende Windrichtung und die Wetterberichte der Deutschen oder Dänen kümmern zu müssen.
Es bleibt zurück eine gewisse Leere, ein bisschen Traurigkeit und das Gefühl, eine geile Zeit an Bord eines schönen Schiffes, mit einer super Crew und einer einfach nur unglaublich tollen Mannschaft erlebt zu haben.
Danke an alle die dabei waren (Arne, Sabrina, Moritz, Sabine, Bernd, Andreas, Daniel, Jörg ) und vor allem an Ulla (dass sie wieder mit war ), an Bettina (für die Gespräche über Gott und die Welt mal nicht nur am Telefon), an Wolfgang (für die Fahrrad-Tipps, die Zeit in der Kombüse und die Gelassenheit), an Monika (für die „Ruhe“ und alle gutmütigen Späße), an Michael (für die immerwährende gute Laune und dass wir 5 Tage lang SO (wieder die Finger) miteinander waren), an Peter (für seine Offenheit, Lebensweisheiten und die Gabe, die Menschen zum Lachen zu bringen), an Annegret (für ihre liebe und herzliche Art mit uns um zugehen).