Die Geschichte der "De Albertha"

Der Schiffstyp "Groninger Seetjalk"

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ersetzten Schiffe aus solidem Eisen und später Stahl die üblichen Holzschiffe für den Lastentransport, die Rumpfformen der Schiffe blieben dabei im Grunde gleich:
Zu dieser Zeit wurden die Lastensegler mit einem runden Bug (anders als der spätere Spitzbug der Klipper) und einem ebensolchen Heck gebaut - die sogenannten 'Tjalken'. Charakteristisch für diesen Schiffstyp ebenfalls: Das hinter dem Heck liegende, große, hölzerne Ruderblatt.
Damals wurden Schleusen und Brückengelder nach der Rumpflänge berechnet - aus dieser Länge wollte man also möglichst viel Laderaum heraus holen. So entstanden die runden Formen und auch das versetze Ruderblatt, was damit nicht mitgerechnet werden musste.
Zum Teil wurden diese Schiffe nur für den Einsatz auf den Binnengewässern (Kanäle, Binnenmeere und Wattenmeer) konzipiert, zum Teil wurden sie aber auch zum Warenaustausch mit dem europäischen Ausland eingesetzt. Die sogenannten 'Seetjalken', deren Bauart auf härtere Anforderungen ausgelegt war.
Die große Vielzehl dieser Schiffe wurde damals in den Niederlanden gebaut, ein Werftenzentrum war der Raum um Groningen: Die Groninger Tjalken und Seetjalken. Ihr Markenzeichen: Eine für Tjalken schnittige, flache Rumpfform, große Seitenschwerter und ein harmonisches, wenig ansteigendes Heck.Viele dieser Schiffe wurden damals im Raum um Groningen gebaut: Die Groninger Tjalken und Seetjalken. Ihr Markenzeichen: Eine für Tjalken schnittige, flache Rumpfform, große Seitenschwerter und ein harmonisches, wenig ansteigendes Heck.

Das 'erste Leben' des Schiffes

1890 wurde bei der Werft "E. Smit" in Hoogezand (5 Km südöstlich Groningen) ein Schiff in Auftrag gegeben. Eine schnelle Seetjalk sollte es sein, mit der auch Nord- und Ostsee zu befahren sein sollten.
Auftraggeber war ein junges Ehepaar aus Amsterdam, die für diesen Neubau einen riesigen Kredit aufnehmen mussten.
1891 lief das Schiff planmäßig vom Stapel und wurde auf den Namen "De Albertha" getauft (die Hintergründe des Namens sind leider nicht bekannt).
Damals hatte das Schiff noch einen niedrigeren Mast und keinen Motor!
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten beförderte die "De Albertha" Waren aller Art auf der Nord- und Ostsee, aber auch auf den Binnegewässern. Vor allem Baumaterialien und Schüttgut waren ihre Spezialität. Bei ihren Fahrten dürfte sie bis weit ins Baltikum vorgestoßen sein.
Mit einer Besatzung von 3 Mann (Eignerehepaar und ein Matrose) und nur unter Segelkraft muss der Betrieb des Schiffes echte Knochenarbeit gewesen sein. Oft musste das Schiff per Muskelkraft gezogen werden, manchmal lag man tagelang wegen widriger Winde fest, zum Teil konnte das Schiff nur über lange Planken betreten werden, weil die Ufer nicht als Anlegeplatz taugten.
Ein hartes, entbehrungsreiches Leben, dessen Herausforderungen man sich in heutiger Zeit kaum noch vorstellen kann.
Erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bekam die "De Albertha" einen Motor und war dann noch mehr als 20 Jahre als Lastensegler unterwegs. Während des 2. Weltkrieges wurden vielfach einfache Rüstungsgüter mit ihr transportiert.

Das 'zweite Leben'

Nach dem 2. Weltkrieg war die Zeit der Lastensegler vorbei. Es wurden größere Laderäume benötigt und der schnelle Warentransport war nur noch für Motorschiffe leistbar.
So wurde die schöne "De Albertha" außer Dienst gestellt und dämmerte viele Jahre irgendwo an einem holländischen Kanal vor sich hin. Bis sie 1975 'wiederentdeckt' und zum Gruppencharterschiff umgebaut wurde.
Bei diesem Umbau wurde das Schiff komplett ausgeschlachtet und neu aufgebaut. Dabei erhielt die "De Albertha" auch ihren heute so charakteristischen hohen Mast und den langen (8,20m) Klüverbaum.
Von nun an war die 'alte Dame' mit allen Arten von segelbegeisterten Gruppen unterwegs - und wir glauben: Das hat ihr von Anfang an Freude gemacht!
Immer wieder wechselte die "De Albertha" dabei das Fahrgebiet und war mal in der Nordsee, mal in der Ostsee, mal auf den Binnengewässern beheimatet.
1997 wurde das Schiff dann noch einmal, bei einem Eignerwechsel, komplett modernisiert und bekam seinen Platz in der Ostsee - wo es (bauartbedingt) nur sehr wenige Schiffe dieser Art gibt.
2007 und 2016 hat die "De Albertha" dann noch zwei mal ihren Besitzer gewechselt, und in den vergangenen Wintern ist noch einmal viel, viel Arbeit in das Schiff geflossen.
Zudem sind noch so einige Änderungen und Umbauten in Arbeit, so dass wir glauben, dass die 'alte Dame' im Moment durchaus zufrieden sein kann.
Und das ist natürlich auch sehr wichtig, denn ein Schiff mit einer solchen Historie bedeutet auch eine große Verantwortung.
Wenn sie reden könnte - was hätte sie für Geschichten zu erzählen!

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